Die Diagnose war eine Überraschung

Karin Müller - wie alles begann

Karin Müller (62) erinnert sich genau an den Moment im Juni 2024, als alles begann: Ein heftiger Schlag mit der Autotür gegen ihre Brust, Schmerz – und kurz darauf eine Rötung sowie ein tastbarer Knoten. Zunächst spielte sie die Anzeichen herunter und suchte nach harmlosen Erklärungen. Doch als beides nicht verschwand, folgte die Abklärung – und schliesslich die erschütternde Diagnose: entzündlicher Brustkrebs.

Die Tage rund um die Diagnose waren geprägt von Nervosität, wachsender Angst und vielen Fragen. Beim Recherchieren im Internet stiess sie auf beunruhigende Zahlen, die sie zusätzlich verunsicherten. Trotzdem gelang es ihr, nicht in Panik zu verfallen. Stattdessen entschied sie sich bewusst, ruhig zu bleiben und die Situation aktiv anzugehen: Sie verlangte schnell einen klaren Behandlungsplan und stellte sich Schritt für Schritt der Therapie.

Es folgte eine intensive Zeit mit Chemotherapie, Operation und Bestrahlung. Die körperliche Belastung war gross, doch fast noch herausfordernder waren die inneren Prozesse: die Angst vor dem Ungewissen, das Aushalten von Nebenwirkungen und die Auseinandersetzung mit dem eigenen veränderten Körper. Halt fand sie in Gesprächen – besonders mit ihrer Schwester, die als Gynäkologin medizinisches Wissen einbringen konnte, und mit einer Psychoonkologin, die ihr half, Ängste einzuordnen und emotional stabil zu bleiben.

Auch ihr soziales Umfeld veränderte sich. Einige Menschen reagierten überfordert oder zogen sich zurück, während andere überraschend präsent waren – mit kleinen Gesten, Essen vor der Tür oder einfach ehrlicher Anteilnahme. Diese Erfahrungen haben ihren Blick auf Beziehungen nachhaltig verändert.

Ein besonderer Lichtblick in dieser anstrengenden Zeit war der Schminkkurs von «Look Good, Feel Better». Für Karin wurde er mehr als nur ein kosmetischer Workshop: ein Moment von Leichtigkeit, Selbstfürsorge und Gemeinschaft mit anderen Betroffenen. Trotz ihrer Erfahrung mit Make-up genoss sie diese Auszeit sehr und fühlte sich gestärkt.

Heute blickt Karin mit einer Mischung aus Respekt und Zuversicht auf ihre Reise zurück. Die Krankheit hat ihr viel abverlangt, aber sie hat auch ihre eigene Widerstandskraft neu kennengelernt. Sie weiss jetzt, wie viel sie aushalten kann, und hat gelernt, Unterstützung anzunehmen. Was sie noch lernen muss, ist, dass ihr Energielevel noch nicht voll ausschöpfbar ist. So kommt es vor, dass sie sich dann halt manchmal in ein Kaffee setzt und was trinkt, bevor es weiter geht. Auch wenn Unsicherheiten bleiben – gesundheitlich wie beruflich – schaut sie nach vorn. Für sie ist klar: Ihr Leben geht weiter, bewusster, klarer und mit einem neuen Gefühl von Stärke. Zudem nimmt sie regelmässig noch Medikamente ein, die unter anderem auch lebensverlängernd wirken sollen.

Jetzt sucht sie erst mal eine neue Arbeit. Denn gleichzeitig mit der Diagnose hatte ihr Arbeitgeber eine Massenkündigung ausgesprochen, von der sie nun verspätet betroffen ist. Doch sie bleibt zuversichtlich.

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